MuseumsSolistin 2020/2021

Anna Vinnitskaya

© Bjoern Kadenbach

MuseumsSolistin der Saison 2020/21

Das Klavier war immer da bei Anna Vinnitskaya. Die Eltern, selbst Pianisten, schickten ihre Tochter zum Unterricht, konnten es sich aber nicht verkneifen, hier einen Tipp, dort einen Ratschlag zu geben – so viel Fürsorge war nicht einfach. Aber Auftreten und Konzerte spielen wollte die junge Anna schon immer. Also üben, lernen, studieren, zunächst am Konservatorium in Rostow am Don. Mit achtzehn entstand der Wunsch, mehr kennenzulernen. „Ich wollte nach Europa oder nach Amerika – und bin in Hamburg angekommen, wo ich wenig später Evgeni Koroliov kennenlernte“. Der russische Pianist prägte die junge Künstlerin nachhaltig. Heute unterrichtet sie als jüngste Klavierprofessorin Deutschlands selbst an der Hamburger Musikhochschule.

Fünf Auftritte beim „Museum“
In Frankfurt tritt die MuseumsSolistin fünfmal auf: zunächst im MuseumsSalon, je zweimal in der Kammermusikreihe und zum Abschluss am Sonntag und am Montag im Museumskonzert mit  dem dritten Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow. Beim Publikum beliebt wie kaum ein anderes, hinreißend virtuos, für Anna Vinnitskaya aber mehr als das. Zwar gebe es hier so viele Noten wie in kaum einem anderen Konzert, „aber sie haben ganz unterschiedliche Funktionen“, meint sie. „Da sind die großen Gesangslinien, die das Stück voranbringen, manche kräftig aufgetragen, manche weniger stark. Dann die Noten für die Polyphonie, die für die Form wichtig sind, und dann auch Noten für die Atmos-phäre, ja, auch für glitzernde Effekte. Wenn man alle Noten gleichwertig behandelt, funktioniert das Stück nicht.“ Die Pianistin empfiehlt, die Aufnahmen anzuhören, in denen Rachmaninow seine eigene Musik spielt, denn „dann versteht man sofort, was gemeint ist“.

Das Klavier zum Singen bringen
In Kritiken über CDs oder Auftritte von Anna Vinnitskaya erscheint oft das Wort Singen. „Ich kann gar nicht singen“, lacht sie, „nein, ich war noch nicht mal als Kind in einem Chor. Und ein Opern-Fan bin ich auch nicht, ich mag das Theatralische nicht. Singen auf dem Klavier heißt, mit einer besonderen Anschlagstechnik das Klavier zum Singen zu bringen“, erklärt sie. Und dazu braucht es Bilder, die zur Musik im Kopf entstehen. „Es können auch Szenen aus einem Film sein“, fügt sie hinzu. „Die Bilder helfen mir, die passende Atmosphäre zu finden. Sie können sich von Mal zu Mal ändern, je nach meiner Stimmung. Aber mit solchen Bildern spiele ich anders als ohne sie.“

Musizieren mit Freunden
Im kammermusikalischen Teil ihres Frankfurter Engagements trifft Anna Vinnitskaya nicht nur mit Kollegen, sondern auch mit Freunden zusammen. „Ich kenne Erik Schumann schon seit vielen Jahren, wir haben zusammen mit Leonard Elschenbroich Trio gespielt, bevor Erik sich dann mehr dem Quartett widmete.“ Und dieses Schumann-Quartett schätzt die Pianistin besonders. „Es sind nicht nur tolle Musiker, sondern wunderbare Menschen, immer füreinander da, warmherzig, humorvoll. Und, mit einem Blick über die Musik hinaus: „Das ist für die Zeit, die man außerhalb von Proben und Konzerten miteinander verbringt, so wichtig!“

Erster Auftritt beim MuseumsSalon
Dass sie auch beim MuseumsSalon dabei ist, einem Solo-abend in privater Umgebung, freut sie besonders, denn: „hier, in einen solchen intimen Rahmen, gehört die Musik eigentlich hin“. Man spürt: Anna Vinnitskaya hat sich ihre Bodenständigkeit bewahrt. Das ist im Musikbetrieb nicht bei allen Künstlern der Fall.

 

MuseumsSalon am 23. Oktober 2020

Kammerkonzert am 10. Dezember 2020

Kammerkonzert am 04. Februar 2021

Sinfoniekonzert am 23./24. Mai 2021