3. Sinfoniekonzert 2026/27

Anna Prohaska, Sopran
Alexander Boukikov, Horn
Thomas Guggeis, Dirigent

Werke von Hildegard von Bingen, Bach, Mozart, Schubert und Bruckner
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Anna Prohaska © Marco Borggreve

Wege zu Bruckner

Mystisch, gleichsam „vom Himmel hoch“ steigen die Töne der Antiphon von Hildegard von Bingen auf uns herab, wenn sie von Anna Prohaska a cappella gesungen werden, und lassen den Klang des Mittelalters erahnen. Noch heute berührt und bereichert uns Hildegard von Bingen, diese großartige Frau aus dem Hochmittelalter, mit ihrer Musik, ihren Schriften und sogar ihren Rezepten.

Nicht von dieser Welt erscheint uns auch heute noch die Musik von Johann Sebastian Bach. Auch wenn das Musikalische Opfer nur eine Opfergabe, ein Geschenk an Friedrich den Großen war, begegnet uns in dieser kontrapunktischen Sammlung etwas Religiöses und Mystisches. Anton Webern hat das Ricercar a 6 aus dem Musikalischen Opfer orchestriert und dabei in einzelne Motivteile aufgelöst, so dass ganz ungewohnte Klangfarben entstehen und neue Strukturen hörbar werden.

Fast überirdisch schön und gleichzeitig sehr menschlich muten uns die Opern- und Konzertarien von Wolfgang Amadeus Mozart an. Zumeist schrieb er sie bestimmten Sängern auf den Leib, vor allem Sängerinnen, die „hübsch auf dem Theater“ aussehen und „eine geläufige Gurgel“ haben. Hübsch mit geläufiger Gurgel war die von ihm verehrte Primadonna Anna Storace. Bevor sie Wien verließ, verabschiedete er sie mit einer Konzertarie, zu der er sich einen konzertanten Klavierpart hinzukomponierte. Die Klavierbegleitung von Franz Schuberts Lied Auf dem Strom auf das Orchester übertragen hat Hermann Scherchen, der das Museumsorchester in den 1920er Jahren leitete.

Spuren der religiösen Mystik des Mittelalters, von Bachs Kontrapunktik und Schuberts Harmonik finden sich im Werk des großen Sinfonikers Anton Bruckner. Besonders populär ist seine vierte, die „romantische“ Sinfonie. Der Kopfsatz sei das „romantische Bild“ einer „mittelalterlichen Stadt“, schrieb Bruckner in einem Brief, und das Horn rufe zu Beginn „vom Rathause herab den Tag“ aus. Beim Scherzo sprach er vom „Jagdthema“, das Finale überschrieb er mit „Volksfest“. So zeichnet diese Sinfonie weniger die Natur als – ganz im Geiste ihrer Zeit – ein romantisches Bild vom Leben im Mittelalter.

Anna Prohaska

Sopran

Alexander Boukikov

Horn

Thomas Guggeis

Dirigent

Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Termine

Sonntag 15.11.2026, 11:00 Uhr
Alte Oper Frankfurt, Großer Saal
10:00 Uhr "vor dem museum" mit Ulrike Kienzle im Großen Saal - Konzertende ca.
Montag 16.11.2026, 19:30 Uhr
Alte Oper Frankfurt, Großer Saal
18:30 Uhr "vor dem museum" mit Ulrike Kienzle im Großen Saal - Konzertende ca.

Programm

Hildegard von Bingen (1098–1179)
Antiphon "O virtus sapientiae"
Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Ricercar a 6 aus: "Musikalisches Opfer" BWV 1079 (orchestriert von Anton Webern)
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)
Konzertarie "Ch'io mi scordi di te?" – "Non temer, amato bene" für Sopran, Klavier und Orchester KV 505
Franz Schubert (1797–1828)
"Auf dem Strom" für Sopran, Horn und Orchester D 943 (orchestriert von Hermann Scherchen)
Anton Bruckner (1824–1896)
Sinfonie Nr. 4 Es-Dur "Romantische" (3. Fassung)