Carolin Widmann, Violine
Mario Venzago, Dirigent
Die (Un)vollendete
Der Titel „Unvollendete“ ist mit Franz Schuberts h-Moll-Sinfonie so eng verbunden wie die Bezeichnung „Neunte“ mit Beethovens letzter Sinfonie: Man weiß, wovon man spricht. Bis heute umranken Spekulationen die Entstehung und Vollendung, oder besser: Nicht-Vollendung des Werkes. Auch wenn Schubert nur zwei Sätze auskomponiert hat, betrachtete er sie nicht als fertiggestellt, denn den Beginn eines dritten Scherzo-Satzes und noch weitere Ideen hat er skizziert. Mario Venzago, der Dirigent dieses Konzerts, hat sich in die Quellenlage eingegraben und aus Schuberts Skizzen und Vorlagen eine eigene, viersätzige Fassung einer „Vollendeten“ erstellt.
Überhaupt ist Mario Venzago nicht nur Dirigent, sondern auch Komponist. Mit einem seiner Orchesterwerke eröffnet er das Konzert, und da bekennt er sich ganz zu seiner schweizerischen Heimat, in der auf die Berge hinauf- oder von ihnen herabgestiegen wird.
Das Violinkonzert des 17-jährigen Richard Strauss ist ein Frühwerk, aber mit seinem Erfindungsreichtum, seinem Füllhorn an harmonischen Wendungen und der witzigen, raffiniert ziselierten Erzählweise der Geige ist es schon meisterlich vollendet. So empfindet es auch die Solistin Carolin Widmann, für die dieses Konzert eine Herzensangelegenheit ist.