Ingo de Haas, Violine
Thomas Guggeis, Dirigent
Frühlingsfest - Frühlingsopfer
Traditionell hat der Frühlingsanfang in vielen Kulturen einen besonderen Stellenwert, als Beginn einer für den Menschen leichter lebbaren Zeit des Jahres, aber auch als Zeichen des Aufbruchs und Neubeginns. Ganz unschuldig besingen Orchester und Solovioline den Frühling im ersten Konzert von Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten und erfreuen sich und das Publikum mit Vogelgezwitscher, Gewittermusik und einem Nymphen- und Schäfertanz.
Romantischer Schwung und blühende Melodik kennzeichnen Robert Schumanns erste Sinfonie. Ihr Beginn soll angeregt worden sein durch ein Gedicht, das mit den Worten endet: „O wende, wende deinen Lauf, im Thale blüht der Frühling auf!“ So trägt Schumanns erste Sinfonie mit einigem Recht den Beinamen „Frühlingssinfonie“.
Auch Igor Strawinsky wollte die „leuchtende Auferstehung der Natur, die zum Leben erweckt wird“, ja „die Auferstehung der ganzen Welt“ in seiner Ballettmusik Sacre du printemps, dem „Frühlingsopfer“, schildern. Die Riten der Frühlingsfeste umfassten auch Opferbräuche, als archaisches Kollektiverlebnis einer mit der Natur eng verbundenen Gesellschaft, und so führt die „Anbetung der Erde“ im ersten Teil zum „Opfer“ im zweiten Teil. Über fünfzig Jahre nach Robert Schumann klang Strawinskys Anbetung der Natur nicht mehr romantisch unschuldig, und so geriet die Uraufführung des Sacre zu einem der großen Skandale der Musikgeschichte. Heute gilt der Sacre als Schlüsselwerk der Moderne.