Kian Soltani, Violoncello
Thomas Guggeis, Dirigent
Alphorn-Romantik
Eine Komponistin und zwei Komponisten, für die Wien Heimat oder zumindest Wahlheimat war, könnten unterschiedlicher nicht komponiert haben. Johannes Brahms griff mit seiner ersten Sinfonie die Tradition der klassischen und romantischen Sinfonie auf. Viele haben in dem Werk die unmittelbare Nachfolge der Beethoven’schen Sinfonien gesehen, nicht zuletzt wegen des Hauptmotivs des letzten Satzes, das an die „Ode an die Freude“-Melodie aus Beethovens Neunter erinnert. „Merkwürdig, dass das jeder Esel gleich hört“, soll Brahms gegrummelt haben.
Keine vierzig Jahre nach der Ersten von Johannes Brahms hat die Wienerin Johanna Müller-Hermann in ihrer Heroischen Ouvertüre die klassisch-romantische Tradition verlassen. Chromatik, kühne harmonische Wendungen und eine äußerst farbige Instrumentation lassen die Schule der Spätromantiker Alexander Zemlinsky und Franz Schmidt erkennen, die sie als ihre Kompositionslehrer geprägt haben.
Über alle Stilkonventionen setzte sich Friedrich Gulda in seinem kreativen, frechen und lustigen Cellokonzert hinweg. Mal macht er das Violoncello zum Begleiter einer Jazz-Combo, mal lässt er es alpenländische Schnulzen singen, dann wieder muss es sich inbrünstige Alphorn- und Waldhornklänge anhören, die wie eine Karikatur auf die Freischütz-Ouvertüre anmuten, bevor es sich mit einem wahnwitzigen Ritt zu einer böhmischen Polka davon macht. So setzt Friedrich Gulda dem Violoncello eine kecke, bunte Mütze auf, wie er sie selbst im Leben und auf der Bühne stets getragen hat.